Zur Startseite
Bibel und Liturgie
Wortkommunion heißt die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift Bibel und Liturgie

©

Nr. 3/2016

Wortkommunion

Zu diesem Heft

Bibelbewegung und Liturgische Bewegung haben seit Beginn des 20. Jahrhunderts zu einer Neubesinnung auf das Wort Gottes in der Heiligen Schrift und in der Liturgie geführt. Immer deutlicher und zwingender gelangte ins Bewusstsein, dass die Bücher der Hl. Schrift nicht nur das Wort Gottes enthalten, sondern das Wort Gottes sind: Es ist Christus selbst, der sich im Wort begegnen lässt. Artikel 7 der Liturgiekonstitution Sacrosanctum Concilium des Zweiten Vatikanischen Konzils stellte ausdrücklich heraus, dass im Wort eine eigene wirkmächtige Gegenwart des erhöhten Herrn gegeben ist. An diese „Wiederentdeckung des göttlichen Wortes" (Verbum Domini 1) knüpfte auch die dogmatische Konstitution über die Offenbarung Dei Verbum an, wenn sie auf das in der lateinischen Tradition von Hieronymus und Augustinus bis hin zu Thomas von Kempens De imitatione Christi geläufige Bild vom Tisch des Wortes und Tisch des Brotes zurückgriff (DV 21), um herauszustellen, dass den Gläubigen im Wort Gottes der gleiche Christus zur Speise gereicht wird wie in dem, was in der Eucharistiefeier Kommunionempfang genannt wird. In unbekümmerter Weise konnten die Kirchenväter noch von der doppelten Kommunion sprechen, von der Kommunion des Leibes Christi in den Gestalten von Brot und Wein sowie von der Kommunion Christi im Wort der Hl. Schrift. Für sie war die Verkündigung des Wortes Gottes in der Liturgie nicht einfach das Wiederholen irgendwelcher Texte, in denen von Gott erzählt wird, sondern wirksame und wirkmächtig erfahrene Gegenwart im je konkreten Leben.

Die Liturgie des Wortes als Wortkommunion – also als Weise der individuellen und zur Gemeinschaft führenden Begegnung mit Christus – zu begreifen, ist für die katholische Kirche seit vielen Jahrhunderten ungewohnt. Nicht nur in der pastoralen Praxis müssen erst Wege gefunden werden, die Verkündigung des Wortes als Begegnungsgeschehen mit Gott und seinem in der Geschichte ergangenen und im Heute wirksamen Heil erfahren zu können. Auch die theologische Reflexion hat in mancherlei Hinsicht noch Nachholbedarf. Das vorliegende Heft will einen Beitrag dazu leisten, diese Lücke zu schließen.

Den patristischen Grundlagen geht zunächst der Kirchengeschichtler und Patrologe Michael Durst nach. Seine Quellenstudien bestätigen, dass die Kirchenvätern und Kirchenschriftstellern der Alten Kirche die reale Präsenz Christi im Wort der Hl. Schrift gegeben sahen und sie diese Präsenz in unmittelbarer Analogie zur Präsenz Christi in den eucharistischen Gestalten formulierten. Dem Wort Gottes müsse daher in vergleichbarer Sorgfalt und Ehrfurcht begegnet werden. Der Alttestamentler Egbert Ballhorn legt anhand alttestamentlicher Spitzentexte dar, wie eine Theologie des Wortes Gottes aus der Schrift selbst zu erheben ist und welche Konsequenzen sich daraus für die Feiergestalt des Wortes Gottes ergeben. Er mahnt eine eigene (liturgische) Kultur des Gotteswortes an. Michael Theobald, em. Neutestamentler in Tübingen, befragt das Neue Testament ausgehend von der altkirchlichen Rede vom Hochzeitsmahl des Wortes (Ambrosius von Mailand) nach der Beziehung von Mahl und Wort. Der neutestamentliche Befund legt offen, dass Wortkommunion und Mahlkommunion nicht zu trennen sind, aber auch nicht gegeneinander ausgespielt werden dürfen. Es folgen zwei Beiträge, die aus dogmatischer sowie aus liturgiewissenschaftlicher Perspektive zu erschließen suchen, wie Realpräsenz Christi im Wort zu verstehen ist. Schon im ersten Satz stellt der Dogmatiker Roman A. Siebenrock heraus, dass der biblisch verwurzelte Glaube nicht denkbar ist, ohne die Annahme (und Erfahrung) der realen Begegnung mit Gott in seinem wirkmächtigen Wort. Die jüngere Lehrentwicklung in Sacrosanctum Concilium sowie Dei Verbum und zuletzt im nachapostolischen Schreiben Verbum Domini von Benedikt XVI. belegt dies unmissverständlich. Der Liturgiewissenschaftler Stephan Wahle kommt bei seinen Analysen zum gleichen Ergebnis und unterstreicht deutlich die Aussage aus Verbum Domini 53, wonach die Sakramentalität des Wortes in Analogie zur Realpräsenz Christi unter den Gestalten des konsekrierten Brotes und Weines zu verstehen sind. Diese altkirchlich und lehramtlich fundierte Parallelisierung kann nicht ohne Konsequenzen für die rituelle Inszenierung der Schriftlesung im Gottesdienst bleiben, wie er detailliert herausstellt. Wenn Wortkommunion und eucharistische Kommunion derart aufeinander bezogen verstanden werden können, muss sich dies auch an der Liturgie selbst zeigen lassen können. Dies legt Liborius Olaf Lumma, Liturgiewissenschaftler in Innsbruck, in überzeugender Weise anhand der Tradition des Kommuniongesangs dar. Zwar gibt es in der römisch-katholischen Tradition kein einheitliches Gestaltungsprinzip für die Auswahl der Communio-Gesänge, aber dennoch ist nachzuweisen, dass diese Gesänge sich aufs Engste an der Hl. Schrift orientieren und in vielen Fällen sogar an die im Rahmen der jeweiligen Wortliturgie verlauteten Schriftlesungen rückgebunden sind. Gunda Brüske, Co-Leiterin des deutschschweizerischen Liturgischen Instituts, bietet eine Reihe von praktischen Impulsen, wie die Wortkommunion in den verschiedenen gottesdienstlichen Feiern Gestalt annehmen kann, um auch tatsächlich als wirkmächtig erlebt werden zu können.

Den Abschluss bildet der dritte Teil der Serie der biblischen Bausteine zum Galaterbrief von Uta Poplutz.

 

 Birgit Jeggle-Merz

 

 

Bibel und Liturgie

Bibel und Liturgie
... in kulturellen Räumen

Die Bibel ist eine starke kulturbildende Kraft in Geschichte und Gegenwart.
Viele Facetten unserer Lebenswelt lassen sich nur durch sie entschlüsseln:
unser Menschenbild, das Verständnis von Freiheit und Solidarität,
das Verhältnis zur Natur uns Schöpfung, der Einsatz für Gerechtigkeit und Frieden.

Kirche und christliche Gemeinde halten diese Kraft der Bibel wach und geben von ihr Zeugnis.
Die Liturgie lässt die weltbildende und lebensgestaltende Kraft der Bibel erleben und setzt sie feiern gegenwärtig.
Im Gottesdienst gewinnt das Leben Gestalt und Ausrichtung, wird die Fülle des Lebens erfahrbar.

Bibel und Liturgie bringt den Reichtum jüdisch-christlicher Überlieferung im Kontext gegenwärtiger Kultur zur Sprache:

  • in theologischen Grundsatzbeiträgen
  • in Essays zur Situation von Kirche und Christentum
  • in Bausteinen für die pastorale Praxis
  • in orientierenden Buchbesprechungen


Gegründet 1926 von Pius Parsch

Erscheint vierteljährlich
Einzelpreis: € 8.-
Abopreis: € 29,50
Studentenabo -25%
Preise exkl. Versandspesen

(red)


Druckansicht

Zurück