Zur Startseite
Bibel und Liturgie
Wunder - der Bibel liebstes Kind

Wunder!? – Ein aufdringliches Thema! Denn in der Bibel begegnet uns dieses Thema auf Schritt und Tritt. Aber es wird auch als peinlich und unbequem empfunden. Das erklärt die Strategien der Vermeidung, der Herabstufung, der Verdrängung und der schnellen Erledigung, für die es im kirchlichen Leben, in Predigt und Religionsunterricht , viele Beispiele gibt. Doch das ist nur ein Schlaglicht auf ein biblisch wie theologisch weites Feld.

©

Nr. 4/2011
Wunder - der Bibel liebstes Kind

Zu diesem Heft
Georg Steins

Die Nach-Moderne oder kritische Moderne ist eine günstige Zeit, sich den Herausforderungen der Bibel (und auch der nachbiblischen Tradition mit dem Wunderinteresse etwa in den Heiligenüberlieferungen) neu zu stellen. Das mag zunächst überraschen. Ich begreife es als ein Signal und als Anstoß für die Theologie und die Glaubensverkündigung, dass im Frühjahr 2011 in einem namhaften deutschen Wissenschaftsverlag ein „profanes“ Buch mit dem Titel „Wunder. Poetik und Politik des Staunens im 20. Jahrhundert“ erschienen ist (Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft 1984). „Mehr Wunder als im 20. Jahrhundert gab es nie, denn überkommene Wundervorstellungen bestanden fort, während sich in Naturwissenschaften  und Technik, Politik und Wirtschaft gänzlich neue Wunderwelten eröffneten. Als Erklärungen ungewöhnlicher Ereignisse und Erfahrungen reduzieren Wunderzuschreibungen Komplexität, entfalten aber auch ihre eigenen Dynamiken“ – heißt es im Klappentext dieses Buches. Und der Text endet durchaus Verheißungsvoll: „Entfaltet wird (in diesem Buch: G. St. )  ein ungewöhnliches Panorama der unmittelbaren Vorgeschichte unserer wundersamen Gegenwart.“

Wunderzuschreibungen wollen etwas in Bewegung bringen! Das ist eine äußerst treffende Beschreibung für die Rolle von Wunderüberlieferungen zu allen Zeiten. Der Gottesglaube braucht das Wunder, nicht als Beweis, sondern als Medium, um sich überhaupt einen Ausdruck zu verschaffen und um etwas in Bewegung zu bringen. Wie sollte man von Gott, einem zugewandten, liebenden, rettenden Gott reden, wenn nicht in der Sprache des Wunders.

Wer Wunder erfahren und darüber sprechen will, braucht eine angemessene Disposition. Ein Gedicht, eine Erzählung, ein Bild – schon diese sprechen uns nicht zu jeder Zeit und nicht in der gleichen Weise an. Wundererzählungen wie die der Bibel werfen viele Fragen auf. Nicht alle führen weiter. Es gibt auch Fragen, die Wege verstellen. Das neue Interesse an der Wunderthematik, das sich außerhalb eines kirchlichen oder theologischen Kontextes artikuliert, kann helfen, den bleibenden Charme des Themas zu erkennen, verfestigte Sichtweisen aufzubrechen, Blockaden zu überwinden.

Den Beiträgen dieses Heftes greifen gewissermaßen den Stier bei den Hörnen. Sie geben sich mit einer Zähmung des Themas (etwa als obsolete Redeform der Bibel oder als Ausdruck einer naiven Religiosität) nicht zufrieden. Elisabeth Pernkopf zeigt, dass die Frontstellung „hier Naturwissenschaft – da fromme Weltsicht“ längst brüchig geworden ist. Sie blickt mit den Augen einer Ingeneurin und Religionsphilosophin auf das Thema.

Die beiden bibelwissenschaftlichen Artikel geben sich nicht mit den älteren exegetische „Sortierübungen“ zu Wunderüberlieferungen ab.  Der alttestamentliche Beitrag von Georg Steins arbeitet die Besonderheit des Wunders in biblischer Sicht an dem durchgängig unterschätzten Psalm 107 heraus: Es geht nie um ein absonderliches und unerklärliches Phänomen, sondern um die Deutung einer Beziehung. Stefan Alkier zeigt, wie das Markusevangelium seine Leserinnen und Leser auf die Botschaft der Auferweckung und die neue Gegenwart des Christus vorbereitet. Beide exegetische Studien können auch anregen, in Predigt und Unterricht das Thema von neuen Seiten aus zu beleuchten.

Die harte Vermittlungsarbeit im Religionsunterricht wird von Annegret Langenhorst thematisiert: Sie berichtet von selbst erprobten Wegen, besser: An-wegen zu einer angemessenen Bearbeitung der Wunderthematik in verschieden Altersstufen. Die emotionalen und kognitiven Hemmschwellen fallen, wenn die Lebensrelevanz des Themas erfahren wird.

Ganz ungewohnte Blicke wirft Axel Bernd Kunze in seinem liturgietheologischen Beitrag auf das Thema. Sein Interesse gilt zunächst den Marienwundern in der Liturgie, die mit der Liturgiereform neu bewertet wurden, dann führt er uns mit einer Reflexion auf  die Erfüllungslücke, die zum Gebet gehört, zur Gestaltung dieser Lücke in den bewussten Paradoxien der Liturgie. Das Gebet als Ort des Wunders!

Im ersten Baustein stellt Paul Deselaers einen wenig bekannten modernen Lyriker vor: „Richard Exner (1929-2008) arbeitet gegen die Vergleichgültigung und das Verschwinden des Schrecklichen und genauso gegen das Ausblenden des Lichtes wie de Lichtvollen… Dass es das Lichtvolle gibt und das es dann und wann zum Vorschein kommt, das ist bei Richard Exner das Wunder.“ Reinhold Zwick stellt in einem weiteren Baustein die ungewöhnliche Weise heraus, in der sich der Film „Lourdes“ mit der Wundersehnsucht und dem Wunderglauben befasst, aber auch die Widersprüchlichkeit und die skurrilen Seiten des „Betriebes“ dieser Wallfahrtsstätte beleuchtet.

Mit einem Biblischen Baustein zur Transformation der Figur des Mose, der vom Retter zum Offenbarungsmittler wird, der immer mehr mit der Tora verschmilzt, endet die vierteilige Auslegung der ersten Hälfte des Buches Exodus durch Christoph Dohmen. Im kommenden Jahr wird der Titusbrief in vier Bausteinen ausgelegt.


Bibel und Liturgie

Bibel und Liturgie
... in kulturellen Räumen

Die Bibel ist eine starke kulturbildende Kraft in Geschichte und Gegenwart.
Viele Facetten unserer Lebenswelt lassen sich nur durch sie entschlüsseln:
unser Menschenbild, das Verständnis von Freiheit und Solidarität,
das Verhältnis zur Natur uns Schöpfung, der Einsatz für Gerechtigkeit und Frieden.

Kirche und christliche Gemeinde halten diese Kraft der Bibel wach und geben von ihr Zeugnis.
Die Liturgie lässt die weltbildende und lebensgestaltende Kraft der Bibel erleben und setzt sie feiern gegenwärtig.
Im Gottesdienst gewinnt das Leben Gestalt und Ausrichtung, wird die Fülle des Lebens erfahrbar.

Bibel und Liturgie bringt den Reichtum jüdisch-christlicher Überlieferung im Kontext gegenwärtiger Kultur zur Sprache:

  • in theologischen Grundsatzbeiträgen
  • in Essays zur Situation von Kirche und Christentum
  • in Bausteinen für die pastorale Praxis
  • in orientierenden Buchbesprechungen


Gegründet 1926 von Pius Parsch

Erscheint vierteljährlich
Einzelpreis: € 8.-
Abopreis: € 29,50
Studentenabo -25%
Preise exkl. Versandspesen

(red)


Druckansicht

Zurück