Christina Spaller, Salzburg
Strukturale Überlegungen zu biblisch-exegetischem Arbeiten
Kurzfassung: Ausgangspunkt des Artikels ist der Widerspruch zwischen dem
Anspruch einer Bibelwissenschaft, die sich zur Aufgabe gemacht hat, den ursprünglichen
Sinn von Texten zu finden, und den inhaltlich differierenden Ergebnissen, die
in ihrem Namen hervorgebracht werden. Unter Einbeziehung der strukturalen Tradition
wird versucht, sich diesem Problem anzunähern. Lektüre - so lautet die
zentrale These - ist nie neutral oder unschuldig. Sie hängt ab von der individuellen
und gesellschaftlichen Verfaßtheit der LeserInnen, die sich in ihrem Denken
und Handeln zu Welt verhalten.
Abstract: At the beginning there is a contradiction: On the one hand there
is the claim of biblical science to find the original meaning of a biblical text.
On the other hand the results (which are produced within this claim) differ and
ar inconsistent. In this article I try to approach this contradiction with elements
of the structural tradition. The central thesis will be: reading ist neither neutral
nor innocent. It depends on the individual and social location of the readers,
who are thinking and acting within world.
Protokolle zur Bibel 7 (1998) 1-16
Susanne Gillmayr-Bucher, Innsbruck
Von welcher sozialen Wirklichkeit erzählt Gen 24?
Kurzfassung: Sozialgeschichtliche Fragestellungen erlauben es, die Lebenswirklichkeit,
die sich in einem Text spiegelt, aufzuspüren und für die Interpretation
fruchtbar zu machen. Für Gen 24, eine Erzählung, in deren Mittelpunkt
die Frage des Erbes und des Fortbestands der Familie steht, ermöglicht die
Rekonstruktion der Lebenswelt, auf der dieser Text aufbaut, Einblicke in die Erzählintention
sowie die zeitliche Einordnung seiner Entstehung.
Abstract: Questions concerning social history help to reconstruct the various
aspects of every day life texts takes for granted and subsequently this understanding
offers new possibilities for an interpretation. Regarding Gen 24, a narration
that centres on the problems of heritage and the continued existence of Abrahams
family, the references to the social reality behind the text offers new insights
into the intentions of the narration as well as some evidence concerning the time
of the storys origin.
Protokolle zur Bibel 7 (1998) 17-27
Oskar Dangl, Salzburg
Vom Überleben zum Erleben
Der Weg durch die Wüste
Kurzfassung: Im folgenden Beitrag soll die Beziehung zwischen Landschaft,
Religion und Persönlichkeit untersucht werden. Zunächst wird dafür
eine kultursoziologische Diagnose gegeben. Sie stellt den Hintergrund dar für
die bibeltheologische Betrachtung des Problems. Den umgreifenden Rahmen bildet
die sogenannte Erlebnispädagogik.
Abstract: The following contribution inquires the relationship between
landscape, religion and personality. First of all a sociological diagnosis will
be given. This diagnosis represents the background of the biblical considerations
of the problem in question. All this fits to the frame of the so-called pedagogics
of experience.
Protokolle zur Bibel 7 (1998) 29-42
Michael Ernst, Salzburg
Adam
Zur Relecture eines alttestamentlichen Motivs in neutestamentlichen Texten
Kurzfassung: Nach einer kurzen Vorbemerkung über die Funktion Adams
im AT (als Kollektivbegriff und als Person: der "erste Mensch") folgt
ein Überblick über die Rezeption im frühen Judentum (Erschaffung
Adams, seine Herrlichkeit und seine Sünde) sowie die Darstellung dieses Motivs
im NT, wobei v.a. die Paulus-Rezeption 1Tim 2,13-14 kritisch analysiert wird.
Ein kurzer Blick auf die Verwendung in der Gnosis und im Islam schließt
den Beitrag ab.
Abstract: After a short preliminary remark on the function of Adam in the
Old Testament (Adam as a collective topic and as a person: the "first man")
the author presents a short history of reception in early Judaism (the creation
of Adam, his glory and his sin) as well as a display of this motive in the New
Testament, with a distinct analysis of 1Tim. 2:13-14. The article concludes with
a short look on "Adam" in the Gnosis and in the Islam.
Protokolle zur Bibel 7 (1998) 43-52
Marianne Grohmann, Wien
Sara und Hagar
Anfragen an die Exegese von Gal 4,21-31 von der Wirkungsgeschichte her
Kurzfassung: Die in der christlichen Theologie allgemein verbreitete Auslegung
von Gal 4,21-31, die die Linie Hagar - Sinai - jetziges Jerusalem - Knechtschaft
auf das Judentum und die Linie Sara - oberes Jerusalem - Freiheit auf das Christentum
festlegt, ist wegen ihrer antijüdischen Wirkungsgeschichte problematisch.
Ein Vergleich mit anderen Rezeptionsmöglichkeiten der alttestamentlichen
Erzählungen Gen 16 und 21 in rabbinischem Midrasch, muslimischer Tradition
und feministisch-theologischer Exegese zeigt Ansätze einer Neuinterpretation
von Sara und Hagar.
Abstract: The common Christian exegesis of Gal 4,21-31, which combines
the line Hagar - Sinai - present Jerusalem - slavery with Judaism and Sara - heavenly
Jerusalem - freedom with Christianity is problematic because of its anti-judaistic
history. A comparison with other possibilities of reception of the Old-Testament-narratives
Gen 16 and 21 in rabbinic Midrash, muslimic tradition and feminist-theological
exegesis shows approaches to a new interpretation of Sara and Hagar.
Protokolle zur Bibel 7 (1998) 53-74
Konrad Huber, Innsbruck
"Zeichen des Jona" und "mehr als Jona"
Die Gestalt des Jona im Neuen Testament und ihr Beitrag zur bibeltheologischen
Fragestellung
Kurzfassung: In der synoptischen Überlieferung der Zeichenforderungsperikope
erährt die Gestalt des Propheten Jona ihre ausschließliche Rezeption
im Neuen Testament. Dabei steht nicht so sehr die vielgestaltige frühjüdische
Jonainterpretation im Hintergrund, mit dem Verweis auf Jona klingen vielmehr direkt
oder indirekt Aspekte des alttestamentlichen Jonabuchs selbst an. Die inhaltliche
Bedeutung dieser Jonastellen bzw. die Art und Weise der spezifischen Verwendung
der biblischen Gestalt hat nicht zuletzt auch bibeltheologische Relevanz.
Abstract: The only reception of the figure of Jonah in the New Testament
is attested in the synoptic tradition, in the pericope of the demand for a sign.
These mentions of Jonah directly or indirectly evoke certain aspects of the Old
Testament book of Jonah rather than referring to the multiform characterization
of the prophet in early Jewish writings. The interpretation of the passages mentioning
Jonah including the way of their specific usage of this biblical figure is also
relevant for the question concerning the relation between Old and New Testament.
Protokolle zur Bibel 7 (1998) 77-94
Susanne Gillmayr-Bucher, Innsbruck
"Eigentlich wollte ich nur das Weltall ein bi§chen anritzen"
Nelly Sachs szenische Dichtung "Simson fällt durch Jahrtausende"
- Relecture einer biblischen Erzählung
Kurzfassung: Die szenische Dichtung "Simson fällt durch Jahrtausende"
von Nelly Sachs entwirft in einem Vorspiel und 14 szenischen Bildern ein vielschichtiges
Textgewebe, das sich durch seine komplexe und bildhafte Sprachwelt, die zahlreichen
sich überlagernden Assoziationen und Verweise, einem raschen Verständnis
verschließt. Eine Leitlinie, die eine Lesevariante anbietet, ist die biblische
Erzählung von Simson (Ri 13-16), seine Auseinandersetzung mit den Philistern
und seine Liebe zu Delila. Als relecture des biblischen Textes betrachtet, fügen
sich die einzelnen Teile der komplexen Bildwelt dieses Werkes zu einem Gesamtbild,
das die biblische Erzählung in unserem Jahrhundert neu aktuell werden läßt.
Abstract: The scenic play "Simson fällt durch Jahrtausende"
by Nelly Sachs starts with a prologue and is followed by 14 scenes creating
a complex and entangled sequence of themes and scenes. The plot is split into
numerous actions and reflections, held together by a net of references and connections,
that encourage but only scarcely direct the readers to find their way through
the play. The references to the biblical story of Samson (Ri 13-16), his fighting with
the Philistines, his love to Delila, can provide a guideline for the scenic
play, that enables the readers to combine the various images and entangled themes
to an overall picture. Thus perceiving the scenic play as a relecture of the
biblical text it may become an up-to-date story.
Protokolle zur Bibel 7 (1998) 95-121
Silvia Arzt, Salzburg
Ist Widerstand von Frauen Kindern zumutbar?
Einblicke in die Wirkungsgeschichte von Ester 1 in Kinderbibeln
Kurzfassung: Die Erzählung vom Widerstand der Waschti im ersten Kapitel
des Esterbuches ist eine kaum bekannte biblische Erzählung. Dies zeigt folgender
Beitrag anhand einer Analyse von Kinder- und Jugendbibeln auf. Besagt der "heimliche
Lehrplan", daß widerständige (biblische) Frauen Kindern nicht
zumutbar sind?
Abstract: The story of the refusal of Waschti in the first chapter of the
Book of Ester is a very unknown biblical story. This article illustrates this
by an investigation on bibles for children and youth. Is it part of a "hidden
curriculum", that women who refuse, are not persons to confront children
with?
Protokolle zur Bibel 7 (1998) 122-126
Siegfried Risse, Essen
Exegese zwischen Tradition und empirischer Erkenntnis
Zur Auslegungsgeschichte von Psalm 147,9b und Ijob 38,41
Kurzfassung: Seit dem 4. Jh ist in der jüdischen und christlichen
Exegese zu Ps 147,9b und Ijob 38,41 eine angeblich naturkundige Erklärung
bezeugt, die "Rabenelternfabel". Entstehung und Geschichte dieser Rabenelternfabel
werden in dieser Arbeit dargestellt. Auch nach ihrer Widerlegung wurde diese Fabel
von einzelnen Exegeten bis in unser Jahrhundert kritiklos erwähnt. An diesem
Beispiel ist zu sehen, wie zäh die Exegese an einer Tradition festhalten
kann, auch wenn empirische Erkenntnisse dagegenstehen.
Abstract: Since the 4th century an alleged scientific explanation has been
testified in the Jewish and Christian interpretations of Ps 147,9b and Job 38,41:
the fable of the cruel raven parents. Origin and history of this fable are discussed
in this article. Even after this fable had been proved false, several Bible interpreters
quoted the tale without critical comment. This example shows, how strongly the
exegesis can adhere to tradition, even when empirical knowledge disproves it.
Protokolle zur Bibel 7 (1998) 127-136
Werner Engel, Wien
Christus Victor
Eine Untersuchung zu Gattung und Struktur des vorliterarischen Christushymnus 1Petr 3,18-22
Kurzfassung: In 1Petr 3,18-22 begegnet eine hymnische Formel, die der
Schaffenskraft der ersten Christen entsprungen ist und die in der Folge - verändert
und erweitert - ihren Weg in das NT gefunden hat. Einer einleitenden Abhandlung
über prinzipielle Erkennungsmerkmale vorliterarischer Stoffe folgt eine
eingehende Auseinandersetzung mit der Frage nach der Gattung des 1Petr 3,18-22
zugrundeliegenden, vorschriftlichen Stückes und in einem dritten Schritt
die Rekonstruktion der ursprünglichen Gestalt des eingearbeiteten Hymnus.
Abstract: Very soon first christians began to put into various forms
the contents of their faith. Songs, praiers or liturgic texts were created that
- oftentimes changed or adapted to the context - found their way into the NT.
In 1Pet 3:18-22 the reader is confronted with such a pre-literary piece, that
is usually described as a hymn among scholars. After thoroughly investigating
this assumption, this article offers a possible reconstruction of the hyms
original form.
Protokolle zur Bibel 7 (1998) 137-147
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an jede Buchhandlung oder direkt an den Verlag Österr. Kath. Bibelwerk,
Postfach 48, A-3400 Klosterneuburg, gerichtet werden.
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