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Für einen neuen Zugang in der modernen Bibelwissenschaft plädiert der Wiener Theologe und Alttestamentler Ludger Schwienhorst-Schönberger. Eine Bibelauslegung, die sich allein auf die historisch-kritische Methode stützt, "greift zu kurz" - es brauche eine Kombination mit den vorneuzeitlichen Auslegungen und Zugängen etwa der Kirchenväter, erklärte der Theologe bei einer internationalen Tagung zum 50-Jahr-Jubiläum des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-65) am Freitag in Wien.
Die historisch-kritische Methode, die die biblischen Texte aus ihrem jeweiligen Entstehungskontext heraus zu interpretieren versucht, wurde zuletzt von Papst Benedikt XVI. im ersten Band seiner "Jesus von Nazareth"-Trilogie kritisch befragt. Auch der Papst plädierte in dem Buch nicht für eine Ersetzung der historisch-kritischen Forschung, sondern für eine Ergänzung durch andere Methoden. Dieser Ansatz trägt den Namen "kanonische Exegese", da sie neben der historischen Detailforschung immer auch die kirchliche Lehrtradition und ein umfassendes Schriftverständnis zugrunde legt.
Ausdrücklich wies auch Schwienhorst-Schönberger bei der Tagung darauf hin, dass die historisch-kritische Methode "viele Wahrheiten über die Heilige Schrift hervorgebracht" habe - es bleibe dennoch "ein Unbehagen", wo die Offenbarung Gottes allein auf historisch exakt beschreibbare Prozesse reduziert werde.
Die vormoderne Exegese habe hingegen ein stärker dialogisch und personal geprägtes Offenbarungsverständnis vertreten. Die Kombination beider Ansätze finde sich in der Offenbarungskonstitution des Konzils "Dei verbum". Schwienhorst-Schönberger: "Die Vermittlung beider Modelle ist die Aufgabe zukünftiger Bibelwissenschaften".
Die seit Mittwoch laufende Konzilstagung an der Universität Wien endete am Freitagabend mit einem Festvortrag des Freiburger Theologen Eberhard Schockenhoff. Am Nachmittag referierte zudem der Tübinger Theologe Ottmar Fuchs. Zu verfolgen war die Tagung erstmals auch via Internet-Livestream.
Quelle: Kathpress
(red)
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