Erstes Wörterbuch zu Qumran-Rollen erschienen

Die Handschriften aus Leder und Papyrus wurden zwischen dem 3. Jahrhundert vor Christus und dem späten 1. Jahrhundert nach Christus verfasst

Der erste Band des Wörterbuchs zur Erschließung der berühmten Qumran-Rollen ist erschienen. Er umfasst 270 hebräische Stichworte von A bis H, wie die Universität Bonn am Dienstag mitteilte. Erarbeitet wurde er von Theologen der Bonner Hochschule in Zusammenarbeit mit Siegener Wissenschaftlern unter Leitung des Bonner Alttestamentler Heinz-Josef Fabry.
Das Wörterbuch stelle dar, wie sich die hebräische Sprache in der Zeit zwischen Altem und Neuem Testament verändert habe, hieß es. Insgesamt sind drei Bände zu etwa 790 hebräischen Stichwörtern geplant. Der zweite Band zu den Stichwörtern I bis O soll bis 2012, der dritte Band bis 2015 fertig sein. Das Projekt wird von der Deutschen Forschungsgemein-schaft (DFG) gefördert.

Als Beispiel für den Wandel der hebräischen Sprache führte Fabry die unterschiedliche Bedeutung des Wortes "Vater" (abba) an. Noch im Alten Testament sei damit "der Strenge, der mit dem Stock" verbunden gewesen. Dass Jesus Gott "Vater" nennen konnte und dabei offensichtlich nicht das Bild eines prügelnden Vaters im Sinn gehabt habe, liege an einem zwischenzeitlich gewandelten Erzie-hungssystem, in dem Unstimmigkeiten ausdiskutiert wurden.


Die Qumran-Rollen sind eine Sammlung hebräischer und aramäischer Schriften, die seit 1947 bei Qumran nahe dem Toten Meer im heutigen West-jordanland entdeckt wurden. Bei einer Suchaktion in den folgenden Jahren wurden weitere Dokumente zu Tage gefördert. Die Handschriften aus Leder und Papyrus wurden zwischen dem 3. Jahrhundert vor Christus und dem späten 1. Jahrhundert nach Christus verfasst. Für Juden und Christen sind die Funde von großer Bedeutung, weil sie näher an die frühen Fassungen der Bibel heranführen, Parallelen zum Neuen Testament aufzeigen und einen Einblick in die neutestamentliche Zeit gewähren.


Das Theologische Wörterbuch zu den Qumrantexten, Band 1, herausgegeben von Heinz-Josef Fabry und Ulrich Dahmen, ist im Verlag Kohlham-mer erschienen.

 

Quelle: Kathpress

(red)

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