|
Als "ausgemachten Blödsinn" haben Schweizer Bibel-Fachleute Medienberichte bewertet, wonach Forscher am Berg Ararat in der Osttürkei Reste der Arche Noah gefunden haben. In einer Stellungnahme des Schweizerischen Katholischen Bibelwerks in Zürich heißt es, vermeintliche "Sensationsmeldungen" nach dem Motto "Und die Bibel hat doch recht" hätten offenbar noch immer Hochkonjunktur. Wie berichtet wurde, wollen evangelische Forscher aus der Türkei und aus China auf rund 4.000 Metern Höhe am Berg Ararat Überreste jenes Schiffes gefunden haben, auf dem sich laut Bibel Noah und seine Tiere vor der Sintflut in Sicherheit brachten. Man sei sich zu 99,9 Prozent sicher, dass es sich bei der mehrteiligen Holzkonstruktion um Noahs Arche handle, so das 15-köpfige Team laut Zeitungsberichten. Eine Radiokohlenstoffdatierung habe das Alter der Holzteilchen auf 4.800 Jahre bestimmt. Es sei bedauerlich, so das Bibelwerk in seiner Stellungnahme, dass die "Wahrheit" dieser mythischen Menschheitserzählung an einem alten Stückchen Holz festgemacht werden müsse. Der aufgeklärte Zeitgenosse frage sich überdies, "wie man ein mythisches Schiff finden kann". Mythen über Flutkatastrophen, wie sich auch eine im Buch Genesis der Bibel findet, gibt es weltweit, erklärte das Schweizer Bibelwerk weiter. Es verwies auf seine wissenschaftlich fundierte Publikation zur Sintfluterzählung in der Zeitschrift "Bibel heute" (Ausgabe Juli 2007). Die Expedition war im vergangenen Oktober von der christlichen Organisation "Noah's Ark Ministries International" (NAMI) aus Hongkong ausgerichtet worden. Die Teilnehmer der chinesisch-türkischen Expedition behaupteten, die von Schnee, Eis und Geröll bedeckten Überreste der Ache gefunden zu haben. Als Beweis präsentierten sie Videoaufnahmen sowie Reste von Holz und Seilen, mit denen angeblich die Tiere auf der Arche festgebunden waren. Bei der Vorstellung der Expeditionsergebnisse in Hongkong war die Türkei durch den Chef der Fremdenverkehrsbehörde der Ararat-Provinz vertreten, der seinen Glauben an die Echtheit des Fundes bekundete. Einen von der Arche angelockten Besucheransturm könnte die arme Gegend gut gebrauchen. Die Fachwelt reagierte mit Skepsis und Spott. Angebliche Arche-Funde gab es schon viele. Vorbehalte gegen die jetzige "Sensation" kamen indes auch seitens muslimischer Experten: Der türkische Islamexperte Süleyman Ates nannte die Geschichte von Noahs Arche, die auch im Koran, eine symbolhafte Erzählung. Deshalb gehe es nicht darum, irgendwelchen Holzresten nachzujagen, sondern darum, die richtigen Lehren aus der Erzählung über die Arche Noah zu ziehen.
Bibel heute 170 (2/2007): Die Sintflut; erhältlich bei:
Österreichisches Katholisches Bibelwerk
Stiftsplatz 8
A-3400 Klosterneuburg
Telefon: 02243/32938
Telefax: 02243/32938-39
E-mail: zeitschriften@bibelwerk.at
(red)
|