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Der Erfurter Bischof Joachim Wanke hat bei der traditionellen Thomasakademie in Linz für eine Wiedergewinnung der missionarischen Dimension als Grundbestimmung von Kirche und Christsein plädiert. "Ohne das Evangelium fehlt in unserer Gesellschaft Entscheidendes", sagte der Bischof der ostdeutschen Diözese am Dienstagabend vor zahlreichen Ehrengästen in der Bischofsaula des Linzer Priesterseminars. Das Evangelium verhelfe dazu, die gesellschaftliche Wirklichkeit aus einer Weltsicht mit "perspektivverändernder Kraft" wahrzunehmen. Aufgabe der Kirche sei es, Resonanzraum dafür zu sein, so Wanke.
Christen seien zwar nicht besser als ihre Mitmenschen, sagte der Bischof, "aber wir haben es besser, aufgrund der Landkarte des Evangeliums, die die entscheidende Lebensorientierung bietet". Der eigene Glaube biete allerdings keinen Grund zu Überheblichkeit oder Besserwisserei. "Grundüberzeugung der Kirche ist es, dass Gottes Heilswille allen Menschen gilt", betonte Wanke.
Um die religiöse Sprachlosigkeit vieler Mitmenschen zu überwinden, müsse die Kirche "die Sprache der Menschen von heute immer wieder neu lernen" und nach neuen Anknüpfungsmöglichkeiten suchen. Wesentlich dafür sei der Hinweis auf das Evangelium als grundsätzliche Lebensperspektive, unterstrich Wanke. Nicht die Kirche, sondern das Evangelium müsse "auf den Leuchter" gestellt werden.
Kirche braucht "intellektuelle Verheutigung"
Der Erfurter Bischof sah die Kirche zukünftig in dreifacher Hinsicht gefordert:
Erstens benötige die Gottesverkündigung eine "intellektuelle Verheutigung", damit die Kirche in der heutigen Debatte um die Existenz Gottes bestehen kann.
Zweitens seien auch künftig die kirchlichen Orte gelebter Nächstenliebe wichtige Orte kirchlich-missionarischer Präsenz.
Drittens plädierte der Bischof für eine Vertiefung der theologischen, liturgischen und spirituellen Kompetenz bei Priestern, Seelsorgern und Gläubigen.
"Das Stichwort 'gebildete Frömmigkeit' soll wieder einen guten Klang in unserer Kirche haben", sagte Wanke: "Der Katholik von morgen muss ein informierter Katholik sein - und er wird sich aus dem Grundwasser einer Frömmigkeit speisen müssen, die den heutigen Herausforderungen, ja Infragestellungen des christlichen Glaubens standhalten kann." Zur Thomasakademie hatten der Linzer Bischof Ludwig Schwarz, das Priesterseminar und die Katholisch-Theologische Privatuniversität (KTU) Linz gemeinsam eingeladen. KTU-Rektor Michael Rosenberger konnte neben den Bischöfen Wanke und Schwarz auch den Linzer Altbischof Maximilian Aichern, Generalvikar Severin Lederhilger und den Vizerektor der Pädagogischen Hochschule der Diözese Linz, Franz Keplinger, begrüßen.
Quelle: Kathpress
Der Vortrag von Bischof Joachim Wanke als Pdf.
(red)
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