60 Jahre Bibelwerk
Das Österreichische Katholische Bibelwerk feierte am 16. Oktober 2026 im Stift Klosterneuburg sein 60-jähriges Bestehen. An seinem „Geburtsort“, wo es bis zum Umzug in die Bräunerstraße im Jahr 2015 seinen Sitz hatte, beging es dieses besondere Jubiläum gemeinsam mit Weihbischof Anton Leichtfried, dem Stiftsleiter Propst Anton Höslinger sowie zahlreichen Gästen aus ganz Österreich und darüber hinaus, die das Bibelwerk über die Jahre begleitet, unterstützt und mitgestaltet haben.

In seinem Grußwort würdigte Weihbischof Anton Leichtfried das langjährige Engagement des Bibelwerks:
„Ich kann nur gratulieren zu 60 Jahren im Dienst am Wort, das Leben schenkt. Und ich danke von Herzen allen, die damals und heute mit großer Kenntnis, voller Ideenreichtum und mit Herzblut sich dafür einsetzen, dass das Saatkorn des Wortes Gottes Wurzel schlagen und Frucht bringen kann im Leben von vielen Menschen.“

Anstelle eines klassischen Festvortrags kamen mehrere Gäste zu Wort, die auf unterschiedliche Weise mit der Bibel und dem Bibelwerk verbunden sind. Zu ausgewählten Impulsfragen über die Bedeutung und Aktualität der Bibel sowie die Rolle des Bibelwerks teilten sie ihre Gedanken und Erfahrungen. So berichtete etwa Dipl.-Theol. Viola Weiß, Krankenhausseelsorgerin in der Diözese Gurk, dass sie immer wieder beobachte, wie gerade junge Menschen in der Bibel lesen und daraus Kraft schöpfen. Univ.-Prof. Dr. Agnethe Siquans hob die ungebrochene Aktualität der Bibel hervor. Gerade weil biblische Texte auch für politische Zwecke missbraucht würden, sei es wichtig, ihnen fundierte Auslegungen entgegenzusetzen. Dr. Katrin Brockmöller, Direktorin des Katholischen Bibelwerks in Deutschland, griff das „Tohuwabohu“ am Anfang der Bibel auf und stellte Bezüge zu den Herausforderungen der heutigen Welt her. Inmitten von Unordnung und Unsicherheit brauche es heilige Orte, die Halt geben. Dazu könne auch das Bibelwerk einen wichtigen Beitrag leisten.
Zwei besondere Präsentationen standen im Laufe des Festakts ebenfalls am Programm: Zum einem wurde ein Jubiläumsfilm gezeigt, der einen Einblick in die vielfältige Arbeit des Bibelwerks gibt. Zum anderen wurde eine Festschrift vorgestellt, die die Geschichte des Bibelwerks anhand einer Chronik nachzeichnet und persönliche Erinnerungen von Weggefährt:innen festhält. Einer dieser Beiträge stammt von Propst Anton Höslinger, der darin über seinen Onkel Norbert Höslinger, den ersten Direktor des Österreichischen Katholischen Bibelwerks, und die enge Beziehung von Bibel und Liturgie schreibt.
Den Abschluss des Festakts gestaltete Elisabeth Birnbaum, Direktorin des Österreichischen Katholischen Bibelwerks, mit ihrem Beitrag „Quo vadis, Bibelwerk? Wofür wir eintreten und was uns Sorgen macht“. Sie plädierte dafür, die Tiefe und den Reichtum der gesamten Bibel zu entdecken, sich auf ihre vielfältigen Themen einzulassen und sie vor fundamentalistischen, interessensgeleiteten und verkürzenden Auslegungen zu bewahren. Musikalische Einlagen aus ihrem Bibelkabarett-Repertoire verliehen ihren kritischen Denkanstößen eine humorvolle Note.

Nach dem Festakt klang die Jubiläumsfeier bei einem festlichen Abendessen im Binderstadl in gemütlicher Atmosphäre und bei angeregten Gesprächen aus.
