Gotteswort in Menschenwort

Der Grazer Dogmatiker Dr. Bernhard Körner skizziert für das Sonntagsblatt die Grundideen, die Anliegen und die Ergebnisse des II. Vatikanischen Konzils. Im folgenden Beitrag erfahren Sie mehr über die Entstehung, Hintergründe und Inhalte der dogmatischen Konstitution Dei Verbum.

Konzilswissen

Die Konstitution über die göttliche Offenbarung „Dei verbum“

Die Kapitel und der Inhalt des Dokumentes

1. Die Offenbarung
2. Die Weitergabe der göttlichen Offenbarung
3. Die göttliche Inspiration und die Auslegung der Heiligen Schrift
4. Das Alte Testament
5. Das Neue Testament
6. Die Heilige Schrift im Leben der Kirche
Die Kirche hat ihre Mitte nicht in sich selbst, sie weiß sich dem Wort Gottes verpflichtet. Mehr noch: Sie ist Geschöpf des Wortes Gottes, wie es in der Tradition geheißen hat. Deshalb beginnt
die Offenbarungskonstitution mit den Worten: „Gottes Wort voll Ehrfurcht hörend und voll
Zuversicht verkündend…“

Entstehung, Aufbau und Inhalt

Ursprünglich sollte das Dokument in klassischer schultheologischer Manier das so genannte „katholische Formalprinzip“ (d. h. die Überzeugung, dass die Kirche ihre Lehre aus Schrift und
Tradition schöpft) festschreiben. Diese Vorlage wurde vom Konzil sehr kritisch diskutiert. Johannes XXIII. musste die Diskussion für beendet erklären und gab ein neues Dokument „Über die göttliche Offenbarung“ in Auftrag. Erst der vierte Textvorschlag kam bis zur Endabstimmung und wurde angenommen.

Die theologisch schwierige und ökumenisch heikle Frage, wie sich Schrift und Tradition zueinander verhalten, konnte nur dadurch gelöst werden, dass man nicht mit Schrift und Tradition begann, sondern noch zuvor die Offenbarung selbst zum Thema machte. So ergab sich der oben vorgestellte Aufbau des Dokumentes. In der Ausarbeitung des Dokumentes ergaben sich aber so schwerwiegende Probleme, dass das Konzil daran sogar zu scheitern drohte; es konnte erst in der letzten Sitzung des Konzils 1965 verabschiedet werden.

Fragen und Antworten

Was das Um- bzw. Vorfeld des Dokumentes betrifft, ist in erster Stelle die Entwicklung in der modernen Exegese zu nennen. Zwar hatte bereits Papst Pius XII. in seiner Enzyklika „Divino afflante spiritu“ (1949) dazu eine grundsätzlich positive Haltung eingenommen, aber das Thema bedurfte noch weiterer Klärung. Das Konzil stellt die Heilige Schrift als „Gotteswort im Menschenwort“ vor und zeigt, dass die so verstandene Heilige Schrift nicht nur eine historisch-kritische, sondern auch eine kirchlich-geistliche Auslegung braucht, in der man vom Glauben ausgeht und auch die Überlieferung der Kirche beachtet.

Bereits vor dem Konzil hat sich hinsichtlich des Verhältnisses von Schrift und Tradition die Einsicht durchgesetzt, dass die damals gängige Zwei-Quellen-Theorie die Absicht des Konzils von Trient nicht exakt wiedergibt. Das Zweite Vatikanum selbst wollte Schrift und Tradition nicht einfach als gleichwertige Quellen nebeneinanderstellen und so den einzigartigen Rang der Heiligen Schrift minimieren, sondern es hat aufgezeigt, dass die Offenbarung in einem umfassenden Zusammenspiel von Heiliger Schrift und der Kirche, die sie durch die Jahrhunderte auslegt, weitergegeben wird. Deshalb genügt das protestantische „sola scriptura“ (allein die Heilige
Schrift) nicht, sondern es muss auch die Tradition einbezogen werden. Nicht zuletzt die Anwesenheit protestantischer Konzilsbeobachter hat dazu beigetragen, dass man bei der Erstellung der Konstitution über die Offenbarung Formulierungen gesucht hat, die nicht nur dem katholischen Glauben entsprechen, sondern auch in der Ökumene weiterführen.

Geht man noch tiefer, dann erkennt man freilich, dass das so genannte „geschichtliche Denken“ die eigentliche Herausforderung gewesen ist, der sich das Konzil stellen musste. Es geht um die Frage, wie weit von bleibend Gültigem überhaupt noch gesprochen werden kann, wenn in der menschlichen Geschichte alles, was Menschen denken und formulieren, von den Zeitumständen geprägt ist. Kann man sich dann noch auf die Heilige Schrift verlassen? Die Antwort des Konzils besteht in der Unterscheidung zwischen dem unfehlbaren Wort Gottes und den zeitbedingten menschlichen Worten, die aber durch den Beistand des Heiligen Geistes „sicher, getreu und ohne Irrtum die Wahrheit lehren, die Gott um unseres Heiles willen in Heiligen Schriften aufgezeichnet haben wollte“.

Was ist Offenbarung?

Die Heilige Schrift und die Heilige Überlieferung sollen beide mit „gleicher Liebe und Achtung angenommen und verehrt“ werden – sie bezeugen Gottes Offenbarung. Bis Mitte des vergangenen Jahrhunderts wurde die Offenbarung vor allem als Information von Seiten Gottes verstanden. Demgegenüber versteht das Zweite Vatikanische Konzil die Offenbarung, gestützt auf die Heilige Schrift, als ein Offenbarungsgeschehen.
Das heißt:


Schrift und Tradition

Weil die Offenbarung für alle Generationen der Kirche wichtig ist, muss sie in der Geschichte weitergegeben werden. Dazu braucht es einen umfassenden Zusammenhang von Instanzen, die den Glauben verbürgen. Diesen Zusammenhang nennt das Konzil die Weitergabe (transmissio) der Offenbarung.
Sie umfasst die Heilige Schrift, Werke der Heiligen und der Theologen, Dokumente des Lehramtes, die Liturgie und die Praxis der Kirche usw. Man kann also sagen, dass die Weitergabe (transmissio) der Offenbarung sowohl durch die Heilige Schrift (scriptura) wie auch die Tradition (traditio) außerhalb der Heiligen Schrift erfolgt. Die ganze Kirche trägt diesen Prozess der Weitergabe, ja sie ist in gewisser Weise mit diesem Prozess identisch. Deshalb sagt das Konzil, die Kirche führe „in Lehre, Leben und Kult durch die Zeiten weiter und übermittelt allen Geschlechtern alles, was sie selber ist, alles, was sie glaubt“.

Um das Verhältnis von Schrift und Tradition genauer zu bestimmen und zu verstehen, muss man in die Geschichte zurückgehen. Gegenüber den Protestanten hat die katholische Kirche auf dem Konzil von Trient (1545 bis 1563) festgehalten, dass die authentisch christliche Wahrheit und Lehre nicht allein in der Heiligen Schrift, sondern „in geschriebenen Büchern und ungeschriebenen Üerlieferungen (traditiones) enthalten sind, die von den Aposteln aus dem Munde Christi selbst empfangen oder von den Aposteln selbst auf Diktat des Heiligen Geistes gleichsam von Hand zu Hand weitergegeben, bis auf uns gekommen sind“.

Schrift und Tradition sind aber nicht zwei „gleichwertige“ Quellen, in denen die Offenbarung gefunden werden kann. Das Zweite Vatikanum gibt der Heiligen Schrift den ersten Platz und sieht die Tradition nicht als eine Ergänzung der Heiligen Schrift, sondern als ihre Auslegung durch die Jahrhunderte. In diesem Sinn stellt das Konzil fest, die Kirche schöpfe „ihre Gewissheit über alles Geoffenbarte nicht aus der Schrift allein“. Weil es aber nicht nur um den authentischen Sinn der Heiligen Schrift, sondern auch der Tradition bzw. ihrer Dokumente geht, ist noch eine weitere Instanz mit Letztentscheidungsbefugnis notwendig: das kirchliche Lehramt. Daher stellt das Konzil gewissermaßen zusammenfassend fest: „Es zeigt sich also, dass die Heilige Überlieferung, die Heilige Schrift und das Lehramt der Kirche gemäß dem weisen Ratschluss Gottes so miteinander verknüpft und einander zugesellt sind, dass keines ohne die anderen besteht und dass alle zusammen, jedes auf seine Art, durch das Tun des einen Heiligen Geistes wirksam dem Heil der Seelen dienen.“

Gottes Wort in Menschenwort

Das Zweite Vatikanische Konzil hat die einzigartige Bedeutung der Schrift deutlich herausgearbeitet. Damit entspricht es nicht nur den Anliegen der Bibelbewegung, die es bereits vor dem Konzil in der Kirche gegeben hat, sondern auch dem Anliegen der Ökumene: Die Heilige Schrift wird ja von allen Christen als die gemeinsame Grundlage anerkannt. Ihre Bedeutung spiegelt sich auch im Aufbau der Offenbarungskonstitution, die der Heiligen Schrift insgesamt vier Kapitel widmet.

Man kann die Bibel natürlich auch wie andere literarische Werke analysieren und beschreiben – damit wird man aber nicht der Tatsache gerecht, dass sie Gottes Wort in Menschenwort ist.
Im Unterschied zu einer rein literarischen Betrachtungsweise geht eine theologische betrachtungsweise von der Glaubensüberzeugung aus, dass die Heilige Schrift auf einzigartige
Weise das Wort Gottes bezeugt, ja – wie die Offenbarungskonstitution sagt – Gottes Wort „ist“.
Sie ist also das Wort Gottes, das im Glauben der ersten Zeugen und der Glaubensgemeinschaft
der Kirche angenommen und von inspirierten Verfassern zur Sprache gebracht worden ist. So ist sie die erste und einzigartige Quelle des christlichen Glaubens.

Glaubensaussagen zur Bibel

Da – wie es das Konzil formuliert hat – „Gott in der Heiligen Schrift durch Menschen nach
Menschenart gesprochen hat“ (DV 12), ist die Bibel ein besonderes Buch, die – wie wir sagen – Heilige Schrift. In diesem Sinn werden durch die Offenbarungskonstitution die wesentlichen Glaubensaussagen über die Heilige Schrift in Erinnerung gerufen, die bereits früher formuliert worden sind:
Der Kanon der Heiligen Schrift umfasst die 45 Bücher des Alten und die 27 Bücher des Neuen Testamentes – der Text der Konstitution verweist in der Fußnote auf das Erste Vatikanische Konzil (1869/1870), das seinerseits auf das Konzil von Trient (1545–1563) verweist, das wiederum mit dem Konzil von Florenz (1439–1443) übereinstimmt.

Inspiration der Heiligen Schrift bedeutet:
Die Heilige Schrift ist als ganze unter Einwirkung des Heiligen Geistes verfasst worden.
Das Konzil weist jede Einschränkung der Inspiration auf bestimmte Teile oder einzelne Aussagen der Heiligen Schrift zurück. Andererseits vertritt das Konzil nicht die Auffassung, dass Gott den biblischen Schriftstellern den Text diktiert hat, wohl aber, dass Gott durch das Wirken des Heiligen Geistes die Verlässlichkeit des Textes sichergestellt hat, den die menschlichen Verfasser formuliert haben.

Diese Verlässlichkeit der Heiligen Schrift wurde durch die Jahrhunderte immer als Irrtumslosigkeit der Heiligen Schrift gelehrt. Wie ist das zu verstehen? Dieser Frage hat sich auch das Konzil gestellt, denn es war den Konzilsvätern natürlich klar, dass es in der Heiligen Schrift historische und naturwissenschaftliche Irrtümer gibt.

Aber in der Heiligen Schrift geht es nicht um historische oder naturwissenschaftliche Informationen, sondern es geht um das Heil, das heißt es geht darum, dass Menschen sich im Glauben auf Gott einlassen, mit ihm in Beziehung kommen und mit ihm in Gemeinschaft leben. Das will Gott durch die Offenbarung und das Wort Gottes erreichen. Deshalb stellt die Offenbarungskonstitution fest, dass die Bücher der Heiligen Schrift „sicher, getreu und ohne Irrtum die Wahrheit lehren, die Gott um unseres Heiles willen in heiligen Schriften  aufgezeichnet haben wollte“.

Darauf kommt es beim Lesen der Heiligen Schrift an: dass Menschen entdecken, wer Gott ist und dass er uns anspricht – zu unserem Heil.

Historisch-kritische und dogmatische Auslegung

Eine vom Konzil aus theologischen Gründen anerkannte Methode besteht darin, historischkritisch
die Aussageabsicht der Verfasser der biblischen Schriften zu erforschen. Dabei mussman auf die literarischen Gattungen achten, auf die Situation, in der ein Text entstanden ist, aber auch auf die vorgegebenen umweltbedingten Denk-, Sprach- und Erzählformen. So muss man – wie das Konzil sagt – „sorgfältig erforschen, was die heiligen Schriftsteller wirklich zu sagen beabsichtigen und was Gott mit ihren Worten kundtun wollte“ (DV 12).

Dabei geht es um eine Antwort auf die Frage: „Was wollten die Verfasser damals ihren Lesern sagen?“ In einem zweiten, ebenso unverzichtbaren Schritt geht es um die Antwort auf die Frage „Was will Gott uns heute durch diesen Text sagen?“ Die Christen lesen die Heilige Schrift ja nicht in erster Linie als Historiker, sondern als gläubige Menschen, die das Wort Gottes verstehen wollen. Und nur diese Perspektive entspricht der Bibel als einem Buch, das im Glauben und für den Glauben verfasst worden ist.

Die Unterschiede, die bei der Beantwortung dieser Fragen sichtbar geworden sind, machen deutlich, dass dabei verschiedene weltanschauliche und religiöse Denkvoraussetzungen ins Spiel kommen. Die Frage, wie die Heilige Schrift im Glauben richtig verstanden wird, kann nur beantwortet werden, wenn man darauf achtet, wie nicht nur Einzelne die Heilige Schrift auslegen, sondern wie sie durch die Glaubensgemeinschaft der Kirche durch die Jahrhunderte verstanden worden ist. Deshalb fordert das Konzil für die Auslegung der Heiligen Schrift, „dass man mit nicht geringerer Sorgfalt auf den Inhalt und die Einheit der ganzen Schrift achtet, unter Berücksichtigung der lebendigen Überlieferung der Gesamtkirche und der Analogie des Glaubens“. (DV 12) Was heißt das?

Stichwort „Einheit“: Auf Grund ihres Glaubens gehen die Christen davon aus, dass hinter der
Heiligen Schrift mit ihrer Vielzahl von Verfassern, Traditionen, literarischen Formen usw. im Letzten ein einziger Autor steht: der eine Gott des Alten und Neuen Testamentes, der sich menschlicher Verfasser bedient.

Stichwort „Analogie des Glaubens“: Weil die Heilige Schrift auf den einen Gott als Autor zurückgeht, deshalb kann und muss die Heilige Schrift so als Einheit gelesen werden, dass die einzelnen Aussagen im Licht der anderen Aussagen ausgelegt und verstanden werden. So muss z. B. die Aussage vom Gericht Gottes im Licht der Aussage über die Liebe Gottes gelesen werden – und umgekehrt.

Stichwort „Überlieferung“: Im Glauben gehen die Christen davon aus, dass auch die Auslegung der Heiligen Schrift nicht ohne den Beistand des Heiligen Geistes erfolgt – wenigstens dort, wo sich die Christen und die Kirche ausdrücklich darum bemühen. So gilt auch die Überlieferung als eine wichtige Richtschnur für das Verständnis der Heiligen Schrift – z. B. feierliche Entscheidungen der Konzilien und des Papstes, der Konsens der Kirchenväter oder der Theologen, aber auch der Konsens der Glaubenden durch die Jahrhunderte.

Die Auslegung der Heiligen Schrift erfolgt also im Licht des Glaubens der Kirche. Die Kirche erweist sich also nach katholischem Verständnis als unverzichtbar, wenn erkannt werden soll, welche Bücher zur Heiligen Schrift gehören (Kanon) und wie sie in rechter Weise auszulegen ist. Aber andererseits steht die Kirche unter dem Maßstab des Wortes Gottes. Deshalb sagt das Konzil auch, dass die Kirche und ihr Lehramt nicht über, sondern unter dem Wort Gottes stehen und ihm dienen müssen (DV 10).

Um sich des Wortes Gottes zu vergewissern, ist die Kirche aber in besonderer Weise auf das Ursprungszeugnis der Heiligen Schrift angewiesen. Das im Glauben der Urkirche bezeugte
Wort Gottes, das von der Heiligen Schrift (dem „Ursprungs-Zeugnis“) dokumentiert wird, ist für
alle späteren Phasen der Kirchen- und Glaubensgeschichte maßgeblich. Beides gilt: Die Kirche muss am Wort Gottes Maß nehmen, und das Wort Gottes finden wir im bzw. durch den Glauben der Kirche.
Das ist und bleibt ein spannender Weg, und so strebt die Kirche – wie das Konzil sagt – „der Fülle der göttlichen Wahrheit entgegen, bis an ihr sich Gottes Worte erfüllen“. (DV 8)


Aus der Offenbarungskonstitution "Dei verbum"

„Gott hat in seiner Güte und Weisheit beschlossen, sich selbst zu offenbaren und das Geheimnis seines Willens kundzutun (vgl. Eph 1,9): dass die Menschen durch Christus, das Fleisch  gewordene Wort, im Heiligen Geist Zugang zum Vater haben und teilhaftig werden der göttlichen Natur.“

„Gott, der durch das Wort alles erschafft und erhält, gibt den Menschen jederzeit in den
geschaffenen Dingen Zeugnis von sich.“

„Diese apostolische Überlieferung kennt in der Kirche unter dem Beistand des Heiligen Geistes einen Fortschritt (5): es wächst das Verständnis der überlieferten Dinge und Worte durch das Nachsinnen und Studium der Gläubigen, die sie in ihrem Herzen erwägen (vgl. Lk 2,19.51), durch innere Einsicht, die aus geistlicher Erfahrung stammt, durch die Verkündigung derer, die mit der Nachfolge im Bischofsamt das sichere Charisma der Wahrheit empfangen haben; denn die Kirche strebt im Gang der Jahrhunderte ständig der Fülle der göttlichen Wahrheit entgegen, bis an ihr
sich Gottes Worte erfüllen.“

„Es zeigt sich also, dass die Heilige Überlieferung, die Heilige Schrift und das Lehramt der
Kirche gemäß dem weisen Ratschluss Gottes so miteinander verknüpft und einander zugesellt sind, dass keines ohne die anderen besteht.“

Das von Gott Geoffenbarte, das in der Heiligen Schrift enthalten ist und vorliegt, ist unter dem Anhauch des Heiligen Geistes aufgezeichnet worden; denn auf Grund apostolischen Glaubens gelten unserer heiligen Mutter, der Kirche, die Bücher des Alten wie des Neuen Testamentes in ihrer Ganzheit mit allen ihren Teilen als heilig und kanonisch, weil sie, unter der Einwirkung des Heiligen Geistes geschrieben (vgl. Joh 20,31; 2 Tim 3,16; 2 Petr 1,19–21; 3,15-16), Gott zum Urheber haben und als solche der Kirche übergeben sind. Zur Abfassung der heiligen Bücher hat Gott Menschen erwählt, die ihm durch den Gebrauch ihrer eigenen Fähigkeiten und Kräfte dazu
dienen sollten, all das und nur das, was er – in ihnen und durch sie wirksam – geschrieben
haben wollte, als echte Verfasser schriftlich zu überliefern.


Da die Heilige Schrift in dem Geist gelesen und ausgelegt werden muss, in dem sie geschrieben wurde, erfordert die rechte Ermittlung des Sinnes der heiligen Texte, dass man mit nicht geringerer Sorgfalt auf den Inhalt und die Einheit der ganzen Schrift achtet, unter Berücksichtigung der  lebendigen Überlieferung der Gesamtkirche und der Analogie des Glaubens. Aufgabe der  Exegeten ist es, nach diesen Regeln auf eine tiefere Erfassung und Auslegung des Sinnes der Heiligen Schrift hinzuarbeiten, damit so gleichsam auf Grund wissenschaftlicher Vorarbeit das  Urteil der Kirche reift.

(red)

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