Jan Gabriël van der Watt, Pretoria

Der Geist macht lebendig

Die Lektüre von 1Joh im afrikanischen Kontext

Kurzfassung: Sowohl die Afrikanische Traditionelle Religion als auch das johanneische Christentum sind gut organisierte Systeme, in denen jedes Element einen funktionellen Ort hat. Die besonderen Charakteristika jeder dieser beiden Religionen werden beschrieben und systematisch miteinander verglichen. Sowohl Unterschiede als auch Ähnlichkeiten werden berücksichtigt. Die Lektüre von 1Joh in einer traditionellen afrikanischen Gesellschaft umfasst einen dialektischen Prozess, in dessen Verlauf auf der Basis der beiden Religionen gemeinsamen Merkmale ein allmählicher "Eintritt" erfolgt. Diese gemeinsamen Merkmale werden hervorgehoben und besprochen. An einem bestimmten Punkt werden jedoch die Unterschiede entscheidend, und dann wird eine besondere Akzeptierung notwendig, die als Bekehrung bezeichnet werden kann. Dieser gesamte Prozess wird unter Verwendung von Beispielen wie etwa Geister / Geist, Ahnen / Jesus etc. diskutiert.

Abstract: African Traditional Religion and Johannine Christianity both are well organised systems within which each single element has its functional place. The specific characteristics of each of these two religions are described and systematically compared with each other. Differences as well as similarities are taken into consideration. Reading 1 John within an African traditional society involves a dialectic process, in the course of which a gradual "entry" into the text takes place on the basis of those characteristics that the two religions share. These common characteristics are displayed and discussed. However, the differences become decisive at a certain stage, and then a special kind of acceptance, which can be designated as conversion, becomes essential. This entire process is discussed by using examples such as spirits / Spirit, ancestors / Jesus, etc.

Protokolle zur Bibel 9 (2000) 1-22




Dean W. Chapman, Winter Springs/USA

I Am Somebody

Paul’s Roman Rhetoric


Kurzfassung: Ausgehend von den Blickwinkeln soziologischer und rhetorischer Fragestellungen sowie der mündlichen Verkündigung wird nach den Gründen und Motiven des Paulus für die Abfassung des Römerbriefes gefragt. Paulus versucht, seinen Platz als Autorität in der christlichen Gemeinde Roms einzunehmen und schreibt den Brief - gleichsam gegen seinen Willen - an Stelle eines persönlichen Besuchs. Der Grund dafür liegt in seiner aktuellen Situation: er ist im Begriff, die Kollekte nach Jerusalem zu bringen; sollte sein Unternehmen scheitern, bleibt ihm die Aussicht, durch einen Appell an den Kaiser nach Rom überführt zu werden und - aufgrund seines Briefes - dort eine Gruppe vorzufinden, die ihn bereits als Boten Gottes akzeptiert.

Abstract: The paper argues from social science, orality and rhetorical perspectives that Paul, as a first-century Mediterranean orator, is trying to embed himself as an authority in the Roman Christian community, using writing - almost against his will - in place of a personal visit. A logical reason why he should do so emerges from his own particular situation as he prepares to leave Corinth for Jerusalem with the "collection." Paul anticipates a transfer to Rome if he is arrested in Jerusalem, and desires that at least one "group" in Rome know Paul as God’s ambassador before he is introduced to them as a prisoner of the State, and a pariah of his own kin.

Protokolle zur Bibel 9 (2000) 23-45




Franz Winter, Salzburg

Frühes Christentum und Gnosis in Ägypten

Das Zeugnis der Privatbriefliteratur der ersten Jahrhunderte


Kurzfassung: Eine eingehende Betrachtung dreier ausgewählter Beispiele der Papyrus-Privatbriefliteratur des spätantiken Ägypten (P.Harr. I 107, P.Kell. I 63 und P.Oxy. XLII 3057) soll Einblicke geben in die Schwierigkeiten der Klassifikation dieser Texte als "christlich", "gnostisch" oder "sicher nicht christlich". Dies wird mit den Thesen der bekannten Monographie "Rechtgläubigkeit und Ketzerei im ältesten Christentum" von Walter Bauer verbunden und dient somit als lebendige Illustration der grundsätzlichen Problematiken, die bei der Beschäftigung mit der Frühzeit der Kirche auftreten, v.a. in Hinblick auf die Frage nach "orthodox" und "nicht orthodox".

Abstract: Three private Papyrus-Letters of late antique Egypt (P.Harr. I 107, P.Kell. I 63 und P.Oxy. XLII 3057) are presented with regard to the question of their classification as "christian", "gnostic" or "not christian". These examples are confronted with the well-known theses of W. Bauer’s book "Heresy and Orthodoxy in Earliest Christianity" and illustrate the problems in regard to the question of "orthodoxy" and "non-orthodoxy" in early church history.

Protokolle zur Bibel 9 (2000) 47-70




Bernd Ulrich Schipper, Bonn

Politische Beziehungen zwischen Israel und Ägypten?

Von Salomo bis Zedekia


Kurzfassung: Politische Beziehungen zwischen Israel und Ägypten haben innerhalb der Königszeit erst ab dem Ende des 8. Jh. bestanden. Sie umfassten die letzte Phase des Königreiches Juda bis zum Exil (von Hiskia bis Zedekia). Für die Zeit davor, einschließlich des salomonischen Reiches, lassen sich hingegen keine nennenswerten politischen Kontakte nachweisen. Von daher sind auch die historischen Rahmenbedingungen für den kulturellen Austausch mit Ägypten, den das Alte Testament widerspiegelt, erst für die Zeit vom späten 8. bis zum frühen 6. Jh. gegeben.

Abstract: Political relations between Israel and Egypt in the time of the Judaean monarchy were not established before the end of the 8th century. They covered the last period of the kingdom of Juda until the Exile (from Hezekiah to Zedekiah). Regarding the time before, including the empire of Solomon, no noteworthy political contact can be proved. Consequently, also the basic historical conditions for the cultural exchange with Egypt as reflected by the Old Testament were developed only in the period from the late 8th to the early 6th century.

Protokolle zur Bibel 9 (2000) 73-92




Carsten Knigge, Tübingen

Überlegungen zum Verhältnis von altägyptischer Hymnik und alttestamentlicher Psalmendichtung

Zum Versuch einer diachronen und interkulturellen Motivgeschichte


Kurzfassung: Ps 104 und der große Sonnenhymnus des ägyptischen Königs Achnjati stellen seit jeher ein vielzitiertes Beispiel ägyptischen Einflusses auf das Alte Testament dar. Die Probleme, die sich ergeben, wenn man Texte miteinander in Beziehung zu setzen versucht, welche 600-800 Jahre oder noch weiter auseinanderliegen, werden dabei häufig ignoriert oder mit Ratlosigkeit behandelt. Eine Untersuchung der ägyptischen Hymnenliteratur aus der Zeit nach dem Neuen Reich ergibt jedoch ein motivgeschichtliches Kontinuum bis weit in die Spätzeit und die hellenitisch-römische Periode Ägyptens hinein, das eine wesentlich breitere Basis für einen Vergleich mit einzelnen Psalmen und weiteren alttestamentlichen Texten bietet. Alle Motive der Schöpfungspsalmen (v.a. Ps 104), die angeblich ihre Vorbilder nur in der Theologie der Amarnazeit haben können, lassen sich problemlos in zahlreichen kultischen und funerären Texten späterer Epochen nachweisen.

Abstract: Ps 104 and the sun hymn of the Egyptian pharaoh Achnjati represent a famous example of ancient Egyptian influence on the Old Testmant since many years. The problems of comparing texts which are several hundred years apart regarding their time of origin have been ignored very often or met with helplessness. A study of Egyptian hymnic literature after the New Kingdom reveals a continuity of motifs through the Late and Greek-Roman Periods. This continuity provides a broader basis for the comparison of various psalms and other Old Testament texts with Egyptian sources. All motifs of the creation psalms which are presumed to have been adapted from the Amarna theology of sun can be identified in many ritual and funerary texts of later periods.

Protokolle zur Bibel 9 (2000) 93-122




Andreas Vonach, Innsbruck

Der "Exodus" - physische Anstrengung oder geistige Leistung?

Implikationen der Ortsnamen von Ex 1-15 auf die Entstehung und Bedeutung des Exodusbuches


Kurzfassung: Ausgangspunkt der Untersuchung ist die These, dass viele Ortsnamen der hebräischen Bibel mehr im Sinne eines theologischen Programms denn als realhistorische Verortung eines geschichtlichen Ereignisses aufgefasst werden müssen. Eine solche Etymologisch-theologische Analyse der Lokalangaben von Ex 1-15 führt zum Ergebnis, dass auch unter dieser Rücksicht eine augenfällige Verbindung von Exodustradition und israelitischem JHWH-Glauben besteht. Auch die Ortsnamen weisen also die Exoduserzählung als historisierende Beschreibung der Beziehung Israels zu seinem Gott JHWH aus, der im nachexilischen Israel als Gott der persönlichen und kollektiven Befreiung erlebt und deshalb in gemeinsamer Solidarität verehrt werden soll.

Abstract: The starting point of this study is the assumption, that many place names of the hebrew bible are more theological programs than historical settings. Therefore an analysis of the place names of Ex 1-15 under Etymologic-theological aspects leads to the result, that also under this perspective there is a significant connection between the exodustradition and israelite faith on JHWH. Also the place names therefore make the exodusnarrative to a historizing description of the connection between Israel and its god. This plot should lead to common faith and solidarity in israelite society after the exile.

Protokolle zur Bibel 9 (2000) 123-131


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