Bernhard Palme, Wien
DIE ÄGYPTISCHE KAT' OIKIAN APOGRAPHE UND LK 2,1-5
Kurzfassung: Zunächst werden (anhand signifikanter Dokumente) die Erkenntnisse der Papyrologie bezüglich des ägyptischen Zensus referiert, wonach die kat' oikian apographe etwa eine Kombination unserer Haushaltslisten und Steuererklärungen ist, die Aufschluß gibt über Personenstand, Alter, Beruf und Steuerstatus jeder einzelnen Person sowie über die Wohnverhältnisse. Auf dem Hintergrund dieses Quellenmaterials und weiterer Informationen über den Provinzialzensus, der nicht mit dem census populi zu verwechseln ist, folgt eine Analyse von Lk 2,1-5. Dieser Text steht demnach im Einklang mit den bekannten Verfahren; als historisches Zeugnis für den Zensus des Quirinius im Jahre 6/7 n. Chr. und die Durchführungsbestimmungen des Provinzialzensus in Judäa verdient er volle Beachtung.
Abstract: in Vorbereitung
Protokolle zur Bibel 2 (1993) 1-24
Siegfried Kreuzer, Wuppertal
Grundfragen der sozialgeschichtlichen und soziologischen Forschung am Alten Testament
Kurzfassung: Nach einem Überblick über Grundtypen und -probleme der Soziologie, von A. Comte über F. Tönnies, M. Weber und E. Durkheim bis zur Ethnosoziologie, werden anhand verschiedener Forschungspositionen (M. Weber, A. Causse, G.E. Mendenhall, W. Dietrich, W. Brueggeman) typische Anwendungen und weiterführende Fragen (z. B. soziale Typen der Lebensweise, Gesetzessammlungen) vorgestellt. Nach weiterführenden methodischen Differenzierungen folgen abschließend fünf Thesen zur Bedeutung der sozialgeschichtlichen und soziologischen Forschung als wichtiger Teil der historisch-kritischen Bibelauslegung, dem es darum geht, die gesellschaftlichen Zusammenhänge, Hintergründe und Auswirkungen der biblischen Texte und Traditionen zu erfassen.
Abstract: in Vorbereitung
Protokolle zur Bibel 2 (1993) 25-46
Gerhard Langer, Salzburg
Bemerkungen zum sozialgeschichtlichen Hintergrund der Entwicklung der Synagoge
Kurzfassung: Nach der Zerstörung des Tempels entstanden viele kleinere Versammlungszentren, schon bestehende wurden aufgewertet. Die Funktionen der Synagogen (Bethaus, Versammlungshaus, Lehrhaus, Gerichtshof, Armenkasse, Herberge) werden im folgenden ebenso beschrieben wie ihre Stiftungen sowie die betreffenden Ämter (Patriarch, SynagogenvorsteherInnen, Älteste, PriesterInnen, Väter und Mütter der Synagoge). Überblicke über die soziale Position der Synagogen-"Funktionäre" und die Baugeschichte als soziales Indiz für ein Miteinander von Juden und Christen runden diesen Beitrag ab.
Abstract: in Vorbereitung
Protokolle zur Bibel 2 (1993) 47-59
Peter Hofrichter, Salzburg
Parallelen zum 24. Gesang der Ilias in den Engelerscheinungen des lukanischen Doppelwerkes
Kurzfassung: Hat Lukas Homers Ilias gekannt und benutzt? An Lk 1-2 und Apg 12 untersucht der Vf. dieses in der Forschung bisher kaum beachtete Problem. Über die atl. Muster (Dan 10,7-12; Tob 12,14-18) hinaus findet sich zu den Engelerscheinungen in Lk 1-2 eine umfassende Parallele im 24. Gesang der Ilias (24,143-193) mit der "sturmfüßigen" Iris als Götterbotin; und auch zu Apg 12,7-10 findet sich eine Motivparallele im selben Buch (24,77-100). In beiden Fällen hat sich Lukas der rhetorischen Methode der "imitatio" bedient; er zeigt damit eine unbefangene Einstellung zum literarischen und religiösen Erbe der griechischen Kultur.
Abstract: in Vorbereitung
Protokolle zur Bibel 2 (1993) 60-76
Paul Josef Arzt, Bürmoos
Braucht es den erhobenen Zeigefinger?
Die Funktion der Negation in Spr 10,1-22,16 und die Multi-Funktionalität von Sprichwörtern
Kurzfassung: Die ältesten Sprüche Israels in Spr 10,1-22,16 lassen sich nicht auf eine erzieherische Funktion - den "erhobenen Zeigefinger" - einschränken, sondern sind offen für einen vielfältigen Gebrauch. Diese Mehrdimensionalität wird auch durch die moderne Sprichwörterforschung (Parömiologie) bestätigt.
Abstract: in Vorbereitung
Protokolle zur Bibel 2 (1993) 77-87
Michael Ernst, Salzburg
Demaskierung der Macht
Kirche als Ort der Hoffnung gegen Macht im Neuen Testament
Kurzfassung: Eine Darstellung der Pax-Romana (militärischer, politischer, wirtschaftlicher, rechtlicher, kultureller und religiöser Aspekt), nicht als "goldenes Zeitalter", sondern in der Kritik antiker Schriftsteller als "Friede voll Blut" (Tacitus), und die Wahrnehmung dieser Gewaltstrukturen bei Jesus, Paulus und Johannes, dem Verfasser der Offenbarung; es folgen hermeneutische Perspektiven für unsere Situation.
Abstract: in Vorbereitung
Protokolle zur Bibel 2 (1993) 89-105
Erik Schumacher, Solingen
Die sozialgeschichtlichen Aspekte der Landnahmediskussion
Kurzfassung: Eine Darstellung verschiedener Forschungspositionen zum Problem der "Landnahme", von A. Alt und W. F. Albright über G. E. Mendenhall, N. K. Gottwald und N. P. Lemche bis hin zu M. B. Rowton, H. Donner, R. Neu, D. C. Hopkins, I. Finkelstein, V. Fritz u. a.: die allein auf soziologischen Überlegungen beruhenden Modelle von einer "sozialen Revolution" ließen sich nicht halten; der Begriff der "segmentären Gesellschaft" wurde fruchtbar für die weitere Diskussion über Israels Frühgeschichte. Der Entwurf einer friedlichen Seßhaftwerdung nomadischer Gruppen wird der "Landnahme" wohl am ehesten gerecht.
Abstract: in Vorbereitung
Protokolle zur Bibel 2 (1993) 107-119
Robert Oberforcher, Innsbruck
Soziale Rollenbilder in der alttestamentlichen Prophetie
Kurzfassung: Im Sinne einer Phänomenbeschreibung anhand verschiedener Prophetentexte wird der Frage nachgegangen, welche Rollenbilder diese Texte in ihrer Konstitutionsphase vertreten und welche ältere Traditionen von prophetischen Rollenbildern sich noch erfassen lassen. Es fällt ein neues Licht auf die Tatsache, daß Judentum und Christentum Oppositionsliteratur als Hl. Schrift bekennen und bewahren.
Abstract: in Vorbereitung
Protokolle zur Bibel 2 (1993) 121-143
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