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Wie lebten die ersten Christen in Palästina?
Ostern hat im Leben der Jüngerinnen und Jünger Jesu alles verändert: Was wir über die ersten Christen im Heiligen Land wissen.

Wie und wo lebten die ersten Christen nach Ostern? Als „Christen“bezeichneten sich die Jüngerinnen und Jünger Jesu freilich nicht: Als solche wurden sie erst später bezeichnet, zunächst
in Antiochien (Apg11,26). Im Heiligen Land lebten die Anhänger Jesu ganz aus ihrem jüdischen
Selbstverständnis: Sie hielten sich an dieTora, das jüdische Gesetz, mit ihren Speise- und Reinheitsvorschriften, an das Sabbat-Gebot, sie besuchten den Tempel (Lk 24,53; Apg 2,46)
und kamen in ihren Häusern zusammen. Zugleich verkündeten sie Jesus als den Messias Israels.
Neben den aramäisch-sprachigen Mitgliedern der Jerusalemer Gemeinde, die sich um die Jüngerinnen und Jünger Jesu und um den„Herrenbruder“ Jakobus scharten, bildete sich bald eine
zweite Gruppe: griechisch-sprachige Judenchristen, die in Forschung auch als „Stephanuskreis“
bezeichnet werden.

„Stephanuskreis“ und Tempelkritik
Diese griechisch-sprachigen Judenchristen hatten vermutlich auch eine kritischere Haltung gegenüber dem Tempel: Sie relativierten den Tempelkult und sahen ihn nicht als entscheidend
an für die Frage, ob man bei dem erwarteten Durchbruch der Gottesherrschaft auf der Seite Gottes stand oder nicht. Das wiederum brachte ihnen Distanzierung, Kritik und zum Teil auch Hass durch andere Juden ein: Es ist wahrscheinlich, dass jeneVerfolgung gegen Judenchristen in Jerusalem, die die Apostelgeschichte (8,1-3) schildert, mit der Tempelthematik verknüpft war:
Denn von dieser Verfolgung waren nur die griechisch-sprachigen Jesus-Jünger betroffen. Die
aramäisch-sprachigen Judenchristen konnten in Jerusalem bleiben. Uneinig waren sich die
beiden Gruppen über den Umgang mit Nichtjuden. Alle diese Konflikte wurden jedoch sicher
als innerjüdisch angesehen: Die messiasgläubigen Juden, die Jesus als Retter und Erlöser verkündeten, standen noch nicht als eigene Religionsgemeinschaft demJudentum gegenüber.

Nach Ostern in Galiläa
Während die Existenz der Jerusalemer Urgemeinde und christlicher Gemeinschaften in
Judäa sicher ist, ist über erste Judenchristen in Galiläa wenig bekannt. Aber es ist wahrscheinlich,
dass sehr bald nach Ostern auch in Galiläa Jesus-gläubige Juden lebten. Die „Logienquelle“,
die ins Matthäus- und Lukasevangelium eingearbeitet wurde, ist vermutlich in Galiläa entstanden.
Demnach gab es imWesentlichen zwei unterschiedliche Gruppen: Wanderprediger, die ohne Familie, Heimat und Besitz lebten, zogen umher und verkündeten das Evangelium– ganz
auf das nahe Anbrechen der Gottesherrschaft ausgerichtet. Andere lebten nach dem Evangelium,
aber in Bindung an ihre Familien und hatten – in der Regel wenig – Besitz, mit dem sie die
Wanderprediger unterstützten. Somit sind beide Lebensformen – die zölibatäre in frei gewählter
Armut und die Bedeutung der Familie samt sozial orientiertem Umgang mit Eigentum – bereits in der ersten Generation verankert.

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Quelle: Der Sonntag

(red)


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